Sehen Sie Simon’s Town als einen Arbeitshafen, aber versuchen Sie auch, sich ein wenig auszuruhen. Denn die nächste Woche wird genauso intensiv.“ Der Erste Offizier (IO) der Fregatte BRANDENBURG, Korvettenkapitän Hilko Klöver, fand bei der Einlaufmusterung sicher ähnliche Worte wie die IO der NIEDERSACHSEN und der FRANKFURT AM MAIN. Der EAV steht mitten im Manöver GOOD HOPE IV und hat noch umfangreiche Übungsaufgaben zu bewältigen.  Task Group in Formationsfahrt (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Ann-Katrin Fischer/Presse- und Informationszentrum Marine) Wehmütig schauten die Besatzungen in Passieraufstellung ein letztes Mal auf den Tafelberg. Kapstadt war für die meisten ein einmaliges Erlebnis und bewies, wie attraktiv Seefahrt bei der Marine sein kann. Aber bereits nach Passieren der Molenköpfe erklang das Kommando: „Sich klar machen für Flugbetrieb!“ Schnell galt die volle Konzentration wieder der Seefahrt. Alle Einheiten wollten auf diesem Törn besonders glänzen, denn der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker, nahm am Dienst des EAV teil. Er nahm sich viel Zeit, um mit den einzelnen Dienstgradgruppen und den Offizieranwärtern ins Gespräch zu kommen. Dabei erlebte er eine spannende Manöverwoche hautnah. Schießen mit Lenkflugkörpern auf See Die Manöverwoche stand erneut im Zeichen von mehreren Schießabschnitten mit Flugkörpern. Die schwierigen Wetterverhältnisse - vor allem der starke Wind - am Zusammenfluss von Atlantischem und Indischem Ozean erschwerten immer wieder die geplanten Übungsabläufe. Hier war Flexibilität gefragt. Denn ein Schießen mit Lenkflugkörpern erfordert von allen Beteiligten an Bord wie an Land höchste Konzentration. Von dort gestartete Drohnen müssen in einem bestimmten Bereich anfliegen, um dann, unter Wahrung der nötigen Sicherheitsvorschriften, bekämpft werden zu können. Das Bekämpfen bewerkstelligten die deutschen und südafrikanischen Einheiten unter anderem mit „Rolling Airframe Missile“ (RAM) oder „NATO Sea Sparrow“ (NSSM). Höhepunkt des Schießabschnittes war das Versenken des Trawlers BETTY, bei dem Flugkörper des Typs „MM 38“, südafrikanische UMKHONTO sowie „Sea Skua“ eingesetzt wurden. .jpg) Lenkflugkörperschießen (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Ann-Katrin Fischer/Presse- und Informationszentrum Marine) Manchmal ist es eben keine Übung Neben den Schießabschnitten hielt die Tagesordnung, „Serial Plan“ genannt, weitere Höhepunkte bereit. Tief anfliegende Tornados der Luftwaffe dienten als Ziele für ein Air Defence Exercise (ADEX). Das U-Boot der südafrikanischen Marine, SAS QUEEN MODJADJI, trainierte mehrere U-Boot Abwehrübungen. Aber auch Übungen im Bereich Navigation, des taktischen Fahrens wie auch der Fernmeldeorganisation standen bis in den späten Abend auf dem Plan. Bei all diesen Herausforderungen ging die interne Ausbildung, wie zum Beispiel die Brandabwehr, auf den Einheiten natürlich weiter. Wie wichtig das ist, zeigte sich auf der Fregatte BRANDENBURG: Ein Antriebsdiesel schaltete wegen eines falschen Messwertes plötzlich automatisch in den „Not-Stopp“. Sofort verstummten die Gespräche im Schiffstechnischen Leitstand. Mehrere knappe Befehle drangen durch den Raum, die unverzüglich umgesetzt wurden. Binnen einer Minute war, zur vollen Manövrierbarkeit des Schiffes, die Gasturbine gezündet und zugeschaltet. Anwesende Journalisten verfolgten die bis zum Automatismus trainierten Abläufe sichtlich beeindruckt und wussten sofort, dass es sich hier keinesfalls um eine Übung handelte. Kieler Woche mal anders: "South African Navy Days" Zum Wochenende lief der Einsatz- und Ausbildungsverband erneut in die Naval Base von Simon’s Town ein. Hier sollten die mehr als 600 Marinesoldaten eine maritime Veranstaltung der besonderen Art erleben: Die alljährlich stattfindenden „South African Navy Days“. Die Südafrikaner haben ein sehr enges und emotionales Verhältnis zu ihrer Marine. „The People’s Navy“ ist deshalb auch deren Beiname, der stolz auf jedem T-Shirt prangte. Ein absoluter Höhepunkt ist die „Right of Entry Parade“. Die Marine marschiert einmal durch die Stadt. Dabei wird alles an Personal und Gerät präsentiert, was im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit präsentiert werden kann. Das geht soweit, dass LKW Speed- oder Harbour Patrol-Boote mit kompletter Besatzung hinter sich her ziehen. Alle Teilnehmer an dieser Parade werden von den Zuschauern regelrecht angefeuert und beklatscht. Besonders herzlich und laut hießen die Südafrikaner die Deutsche Marine willkommen, die mit einer Abordnung von 150 Mann mitmarschierte.  Marinesoldaten bei der “Right of Entry Parade” (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Ann-Katrin Fischer/Presse- und Informationszentrum Marine) Mittendrin statt nur dabei waren auch die Einheiten des EAV. Sie waren aktive Teilnehmer der „South African Navy Days“, welches vom Kommandeur, Fregattenkapitän Marco von Kölln, als große Ehre empfunden wurde. Mehrere zehntausend Menschen besuchten täglich den Stützpunkt in Simon’s Town. Während des OPEN SHIP wurden die deutschen Schiffe regelrecht belagert. Lange Schlangen bildeten sich und die Menschen warteten geduldig, um einen Blick auf die Schiffe aus Deutschland werfen zu können. Rund 8.000 Besucher an zwei Tagen zählte die Fregatte BRANDENBURG, die Fregatte NIEDERSACHSEN 8.500 und die FRANKFURT AM MAIN sogar 13.000 Besucher. Nicht nur diese Aufmerksamkeit beweist, welch große Wertschätzung die Deutsche Marine hier in Südafrika erfährt. Während der „Navy Days“ war diese wie auch eine große Freundschaft intensiv erlebbar. Sicher auch ein tiefer Eindruck, den die Besatzungen in die letzte Manöverwoche von GOOD HOPE IV mitnehmen werden.  “South African Navy Days” (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Ann-Katrin Fischer/Presse- und Informationszentrum Marine) Quelle: PIZ Marine, www.marine.de, Alexander Wald |