Bei der Schiffstechnik
Die Tage an Oberdeck sind vorbei. Im STL überprüfe ich gemeinsam mit den jeweilig Verantwortlichen die Dieselmotoren und Gasturbinen oder messe die Füllstände der Treibstofftanks. Auch das Beseitigen von Öl- und Wasserpfützen ist ein Bestandteil der Arbeit.

Aufschrauben der Motordämmvorrichtung (Quelle: Bundeswehr/Beilmann/Sven Beilmann)
Das Tragen von Gehörschutz ist hier unten vorgeschrieben, weil es in den aufgeheizten Räumen sehr laut ist. Beeindruckend ist das Zusammenspiel der vielen Leitungen und Pumpen. Die Arbeit im Leitstand ist eher langweilig. Die Schaltpulte und deren Verknüpfungen zu den Anlagen interessieren mich weniger, muss ich gestehen.
Tagesdienst unter Deck
Ein simulierter Großbrand zu Übungszwecken steht am Mittwoch auf dem Dienstplan. Die Wege durch die Treppenschächte zum Brandherd sind immer wieder eine Herausforderung. Die Ausrüstung minimiert die Bewegungsfreiheit deutlich. Wer diese Übungen kontinuierlich mitmacht, braucht keinen zusätzlichen Dienstsport mehr.
Am Donnerstag führen wir ein 150 Minuten langes Großreinschiff durch. Damit bereiten wir die Ankunft in Walvis Bay (Namibia) vor. Die Arbeit sorgt allerdings bei der Besatzung für wenig Euphorie.
Mittlerweile habe ich zwei Tage kein Sonnenlicht gesehen. In der freien Zeit bin ich zu erschöpft, um den Weg zum Oberdeck zu suchen.
Trauerzeremoniell mit Kranzniederlegung
Mit einer Schweigeminute und Kranzniederlegung gedenken wir an der Absturzstelle der Opfer des Tupolev-Unglücks. Damals prallten ein deutsches und amerikanisches Flugzeug zusammen. 30 Menschen kamen dabei ums Leben. In erster Garnitur erweisen die Besatzungen des Einsatz- und Ausbildungsverbandes in einem bewegenden Zeremoniell den Insassen von 1997 die letzte Ehre.

Die Fregatten Brandenburg und Niedersachsen (Quelle: Bundeswehr/Müller/Christian Müller)
Zweite Station: Walvis Bay (Namibia)
Der Sonntag bricht an. Wir erreichen Walvis Bay. Es ist unser letzter Zwischenhalt vor der Ankunft in Südafrika. Beim Einlaufen offenbart sich die namibische Wüstenlandschaft mit ihren Dünen und Bergen. Vegetation hat hier Seltenheitswert. Selbst das Wasser ändert seinen Farbton. Von klarem blauem Meerwasser ist keine Spur mehr zu sehen.
Die Töne Grün und Gelb enden in einem trüben, stinkenden Braun. Vielleicht sind wir von den bisherigen Häfen zu verwöhnt gewesen. Denn hier befinden wir uns in einem Entwicklungsland, wo ein großer Teil der Gesellschaft in Armut lebt.
Unser Einlaufen wird von einem deutschen Männerchor begleitet. Nachdem wir an der Pier festmachen, verlassen wir das Oberdeck. Die Arbeit ruft! Der Müllabgabe folgen die Proviantaufnahme und das Reinschiff.
Weitere Impressionen
Am Nachmittag ist alles erledigt, sodass wir die Stadt erkunden können. Die Straßen sind wie ausgestorben. Es gleicht einer Westernstadt. Nur rollen vereinzelt Mülltüten und nicht Dornbüsche über die Straßen. Die Menschen, denen wir begegnen, sind jedoch aufgeschlossen und freundlich. Dennoch ist das kein Ort, an dem ich allein durch die Straßen ziehen würde – weder bei Tag noch bei Nacht.

Trostlos: Walvis Bay am Sonntagnachmittag (Quelle: Bundeswehr/Müller/Christian Müller)
Außerhalb der Stadt werden uns zahlreiche Möglichkeiten angeboten, unsere Freizeit zu verbringen. Wer möchte, kann mit dem Quad durch die Wüste fahren, Lagunen besuchen oder – so wie ich – eine Bootstour zu den Delphin- und Robbengründen machen.
Die vier Hafentage sind vergangen. Und während der Woche regt sich doch Leben in Walvis Bay. Jedoch ist das 30 Kilometer entfernte Swakopmund eher eine Reise wert, auch wenn die Straßenhändler zum Teil sehr aufdringlich sind. Trotzdem war Namibia ein Besuch in einer anderen, mir unbekannten Welt – ein Besuch, der in meinem Gedächtnis verweilen wird.
Quelle: PIZ Marine, www.marine.de, Christian Müller